OV Bonn: Zukunft des Einzelhandels

Mit einer ausgedehnten und kompakten Fußgängerzone und einer großen Angebotsvielfalt ist es um das Einkaufen in Bonn gut bestellt. Viele kommen zum Shoppen auch aus dem Umland nach Bonn, sodass der Einzelhandel in der Bonner Innenstadt 623 Mio. EUR Umsatz pro Jahr erwirtschaftet.

Adalbert von der Osten, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Bonn Rhein-Sieg Euskirchen e.V., berichtet beim Liberalen Treff im November von den vielschichtigen Entwicklungen im Einzelhandel: Die Rollen von Hersteller und Händler verschwimmen immer mehr, dadurch dass Hersteller z.B. Flagship-Stores eröffnen und ihre Erzeugnisse direkt verkaufen, während Händler durch das Kreieren von Eigenmarken wiederum zum Hersteller werden. Die Zahl inhabergeführter Geschäfte nimmt ab und die Zahl der Filialgeschäfte großer Handelsketten (z.B. H&M) nimmt zu. Es gibt mehr und mehr Einkaufszentren, die Kunden mit hohem Komfort locken. Der Onlinehandel wächst stärker als der stationäre Handel und macht aktuell 10% des Umsatzes im Einzelhandel aus.

Auch in Bonn sind diese Entwicklungen sichtbar. Einige Gäste bedauern beim Liberalen Treff Leerstände und das Schließen einiger inhabergeführter Geschäfte. Der Einzelhandel ist auf eine gute Infrastruktur und Aufenthaltsqualität angewiesen. So wird die Verkehrssituation in Bonn, mit der anstehenden Erneuerung des „Tausendfüßlers“ und der mehrjährigen Schließung von Parkgaragen (z.B. Universität und Bahnhof) mit Sorge betrachtet.

Beim Vortrag und anschließender Diskussion gibt es viele Anregungen, wie sich die Bonner Innenstadt der Konkurrenz von Einkaufszentren und Onlinehandel stellen kann: von der Osten schlägt einen City Manager vor, der sich wie ein Hausmeister im Einkaufszentrum um die allgemeine Ordnung in der Innenstadt kümmert. Zudem könne man in der Innenstadt den Onlinehandel mit dem stationären Handel verbinden und die Digitalisierung als Chance begreifen. Einige Teilnehmer schlagen vor die Öffnungszeiten am Abend auszuweiten, um Berufstätigen das Einkaufen in der Innenstadt überhaupt erst zu ermöglichen. 

Insgesamt stellt sich die Frage, welchen Einfluss die Stadt bei der Gestaltung des Einzelhandels hat: Eine Stadtverwaltung entscheidet nicht, welche Geschäfte es gibt und wo gekauft wird. Allerdings braucht Bonn ein stimmiges städtebauliches und Verkehrs-Konzept für die Innenstadt, um Attraktivität und Erreichbarkeit zu erhöhen. Die Politik kann Gründer und neue Ideen fördern. Hier gibt es viele Möglichkeiten und Chancen für den Einzelhandel in Bonn.

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