10. November 2016

Kammerspiele

Breite Mehrheit für Erhalt der Kammerspiele in Bad Godesberg

bad_go009(18.03.2015) Auf der Grundlage eines vom Vorstand der FDP Bad Godesberg einstimmig gefassten Antrags hat sich der Kreisparteitag der FDP Bonn mit breiter Mehrheit für einen Erhalt der Kammerspiele in Bad Godesberg ausgesprochen. Dass nicht immer nur wirtschaftliche Argumente im Vordergrund stehen dürfen, erbrachte die der Beschlussfassung vorangehende Debatte. Damit stärkt der FDP Kreisverband dem Stadtbezirk Bad Godesberg den Rücken und spricht sich klar gegen dessen fortschreitende Demontage aus.

Das ehemalige Bad Godesberger Stadttheater markiert einen historischen Abschnitt in der deutschen Theatergeschichte. Mit seinem Baubeginn im Jahre 1952 war es der erste Theaterneubau in Deutschland nach Beendigung des zweiten Weltkriegs. Der Bau erregte damit eine Aufmerksamkeit bis in höchste Regierungskreise, die in einem Besuch der Baustelle durch den damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss ihren Ausdruck fand. Er symbolisiert den Durst der Menschen nach kultureller Inspiration nach dem Dunkel der Naziherrschaft. Die Eröffnung fand 1953 statt.

Der Bau stellte den Höhepunkt dar einer Theatertradition in Bad Godesberg, die bis in das Jahr 1792 zurückreicht und mit dem heutigen „Haus an der Redoute“ als kurfürstlichem Theater begann. Der Entschluss zum Bau des Stadttheaters wurde 1951 von der damals selbständigen Stadt Bad Godesberg nicht leichten Herzens gefasst. Auch damals bildeten die laufenden Kosten angesichts einer noch 50.000 Einwohner zählenden Gemeindegröße, eine zentrale Rolle in der Debatte um das Für und Wider. Trotz der sechs Jahre nach dem Krieg noch herrschenden Wohnungsnot und Wohnungsbewirtschaftung und damit unter wirtschaftlich weit schwierigeren Bedingungen, als dies heute bei der Haushaltskonsolidierung der Fall ist, rang sich die Stadt Bad Godesberg damals zum Bau der Spielstätte durch. Ziel war es, nach dem kulturellen Dunkel der Naziherrschaft wieder ein Licht aufzustellen.

Nach wie vor bildet das Theater den kulturellen Mittelpunkt des Stadtbezirkes Bad Godesberg und trägt damit entscheidend zum breit gefächerten kulturellen Angebot der Bundesstadt Bonn bei. Gleichzeitig sorgt es auch abends für eine Belebung der Bad Godesberger Innenstadt. Als Bühne des eher klassischen Schauspiels hat es sich hervorragend bewährt, ist aber auch als Vielzweckspielstätte (Theater, Musik, Kino) konzipiert und bestens geeignet. Kultur muss den Menschen aller Altersstufen, aller Bevölkerungsschichten und aller Bevölkerungsgruppen als Raum zum Experimentieren, zur Inspiration, zur Reflexion, zur Förderung von kritischem Denken sowie zur Kommunikation zugänglich sein und bleiben, damit am Ende Parallelwelten überwunden werden können.